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Berufsausbildung in Nuevo Amanecer Parallel zur Schulausbildung bieten wir Lehrlingen die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen. Die zur Zeit angebotenen Berufe sind: Maschinenmechanik, Schweissen, Informatik, Nähen, Friseur und Körperpflege. Voraussetzungen für die Aufnahme in die Berufsausbildung ist die Vollendung des 15. Lebensjahres, sowie der Abschluss der 6. Klasse. Der parallele Besuch des Kollegiums ist nicht mehr obligatorisch, wird aber von den meisten dennoch gemacht. Die Lehrlinge werden während 22 Stunden pro Woche in den Werkstätten ausgebildet (ca. 16 Stunden praktische Ausbildung, sowie 6 Stunden theoretische Grundlagen). Ebenso viele Stunden besuchen sie das Kollegium. Das Ausbildungssystem basiert auf Modulen von ca. 10 - 30 Stunden Dauer. Mit dem Abschluss einer Zwischenprüfung wird das nächste Modul gestartet. Nach einer Serie von Modulen wird eine Fähigkeitsprüfung von auswärtigen Experten der Netzwerkorganisation CADERH abgenommen. Die Gesamtausbildung enthält 3 - 4 Fähigkeitsprüfungen, was einer ungefähren Lehrzeit von 1 - 2 Jahren entspricht, je nach Beruf. Der Berufsabschluss ist staatlich anerkannt. Über CADERH erhalten wir weitere Beratung, zusätzlich zum Service der externen Prüfungen. Die Ausbildungskosten für die Lehrlinge beschränken sich auf die persönlichen Materialien wie Schuluniform, Messwerkzeuge, Schutzbrille, etc.. Teilweise wird in den Werkstätten produktiv gearbeitet. Damit können zu einem kleinen Teil die Betriebskosten getragen werden. So wurden z.B. sämtliche Stühle für die neu errichteten Unterrichtsräume von unseren Lehrlingen hergestellt. In den kommenden Jahren, vorbehaltlich des weiteren Ausbaus der Werkstätten, soll der Produktionssektor ausgeweitet und die Produkte in größerem Rahmen an Dritte verkauft werden.
Informatik Unser Informatikkurs dauert 1 Jahr, insgesamt 800 Stunden. Gute Grundkenntnisse in allgemeiner Computeranwendung gelten dafür als Voraussetzung. Aus diesem Grund ist der Kurs den Absolventen unserer Abschlussklasse im 11. Jahr vorbehalten. Zudem müssen die Teilnehmer eine Aufnahmeprüfung ablegen und gute Fähigkeiten in logischem Denken und Mathematik haben. Der Kurs ist in 13 Module eingeteilt: Es versteht sich, dass die jeweiligen Module nicht tiefgründiges Detailwissen vermitteln, dazu ist die Dauer von einem Jahr zu kurz. Es ist das Ziel, den Teilnehmern eine gute Einführung zu vermitteln. Die meisten Abgänger studieren danach weiterführende Informatik an einer Universität.
Nähen Die Ausbildung dauert 1 Jahr und ist in den Grundkurs zu 350 Stunden, sowie Modistin zu 455 Stunden unterteilt. Der Grundkurs beinhaltet 22 Module und Modistin 35 Module. Die Themen des Grundkurses sind: Modistin beinhaltet: Entwerfen und Herstellen verschiedener Typen von Blusen, Design und Herstellung von Damenkleider und Herren Kleidung.
Friseur und Körperpflege Die Ausbildung dauert 1 Jahr und ist in den Grundkurs zu 405 Stunden, sowie Stilistin zu 370 Stunden unterteilt. Der Grundkurs beinhaltet 15 Module und Stilistin 9 Module. Der Grundkurs beinhaltet folgende Themen: Im Kurs der Stilistin werden die Themen vom Grundkurs noch einmal behandelt und in der Praxis vertieft. Als weitere Themen kommen Gesichts- und Ganzkörpermassage dazu.
Schweissen Diese Ausbildung dauert 1 Jahr und beinhaltet die 2 Kurse, Schweissen in Planposition zu 500 Stunden, und Schweissen in verschiedenen Positionen zu 400 Stunden. Planposition unterteilt sich in folgende Module Der Aufbaukurs beinhaltet die Vertiefung der oben aufgeführten Themen sowie das Schweissen der erlernten Arten in verschieden Positionen wie vertikal und überhängend.
Industriemechanik Diese Ausbildung dauert 2 Jahre und ist in den Grundkurs zu 475 Stunden, einen Messkurs zu 140 Stunden, sowie den Dreherkurs zu 810 Stunden unterteilt. Die Teilnehmer erhalten grundlegende Instruktionen in Sicherheitsvorschriften, Erkennen und Zeichnen von geometrischen Figuren, Messen, Anreissen, Materialerkennung, Sägen, Feilen, Schärfen, Bohren, Biegen, Schmieden, Härten und Anlassen. Der Messkurs geht auf folgende Themen ausführlich ein: Der Drehkurs beinhaltet: Bedienung und Unterhalt der Drehbank, Drehen von kurzen und langen Stücken, konischen Drehen, Bohren, Einstiche, exzentrisches Drehen, Gewindeschneiden von Zoll und Metrischen Gewinden, Federherstellung auf der Drehbank.
Schreinerei Die Schreinerei musste wegen fehlender Nachfrage leider geschlossen werden. Die Werkstatt wird heute für die interne und teilweise auswärtige Produktion eingesetzt.
Bisherige Erfolge und Erfahrungen Die große Nachfrage aus der Bevölkerung bestätigt, dass das Projekt von ihr angenommen wird. Damit ist es also realitätsnah, greift die bestehenden Probleme auf und ist der richtige Ansatz zur Bekämpfung der Armut. Zu Beginn des Schul- und Ausbildungsbetriebes wurden wir jedoch auch häufig von den SchülerInnen und Lehrlingen enttäuscht. Respektlosigkeit, fehlende Motivation und unangemessenes Verhalten einiger SchülerInnen störten den Schul- und Ausbildungsbetrieb häufig. Deshalb wird ANA La Venta heute relativ strikt geführt, um die Disziplin und Motivation zu erhalten.
Damit konnten wir in den letzten Jahren definitiv eine Verbesserung des sozialen Verhaltens feststellen sowie die Lernerfolge der Schüler steigern. Daneben konnten wir in den vergangenen Jahren viele positive Ergebnisse beobachten, die nicht eindeutig messbar sind.
Indirekt kommt die bessere Schul- und Berufsausbildung auch den zukünftigen Familien der jetzigen Schülerinnen und Schüler zu gute, weil sich deren Einkommenssituation verbessern wird. Im Projekt wird nicht nur die Erlangung von fachlichen Kenntnissen angestrebt, sondern auch die individuelle Persönlichkeitsentwicklung gefördert sowie Teamarbeit und Verantwortungsgefühl gelernt. Diese Punkte sollten später auf die Familien und die Gesellschaft auswirken.
Situation auf dem Arbeitsmarkt Die honduranische Wirtschaft steht im internationalen Vergleich schlecht da. Es gibt einige wenige Industrie-Ballungsgebiete im Norden des Landes um San Pedro Sula rum, aber auch im Gebiet von Comayagua und in der Hauptstadt Tegucigalpa. Im Einzugsgebiet von ANA La Venta gibt es wenig Industrie und dementsprechend wenig Arbeitsplätze.
Die Einbindung der Bevölkerung in den Schulbetrieb geschieht mit monatlichen Veranstaltungen für die Eltern der Schüler. Dabei wird über das aktuelle Geschehen informiert, aber auch Informationen über pädagogische oder gesellschaftliche Themen mitgegeben. (z.B. „Wie vermittle ich meinem Kind gesunde Wertvorstellungen innerhalb einer negativen Umwelt?“) In den Versammlungen oder auch in Einzelgesprächen mit den Lehrern können die Eltern ihre individuellen Probleme schildern. Im Anschluss werden gemeinsame Lösungen gesucht. Bei sehr schwierigen Schülern findet auf Initiative der Schule jeweils ein Elterngespräch statt. So können Problempunkte erkannt und ggf. die Situation verbessert werden. Zwei Sozialarbeiterinnen leiten die Gespräche und halten Kontakt zu den Eltern. Sie beobachten dabei die Entwicklung der Problembewältigung. Da ANA La Venta der größte Arbeitgeber in La Venta ist, sind Honduraner als Arbeitnehmer direkt in das Projekt mit einbezogen. Hier bringen sie ihr Können als Lehrer, Sekretariatskräfte, Köchinnen, Landwirte oder Handwerker ein, wirken als Vorbild für die Schüler und prägen so wesentlich das Erscheinungsbild der gesamten Organisation. Der Leiter des Projektes besitzt inzwischen die honduranische Staatsbürgerschaft. Von Beginn an hat er Wert darauf gelegt, dass bei ANA La Venta möglichst nur Einheimische beschäftigt werden. Dadurch konnten die realitätsnahe Projektarbeit sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung stets gesichert werden. Ausserdem wird die Bevölkerung in La Venta wesentlich vom Umfeld der Schule geprägt, d.h. Bildung rückt in das Bewusstsein der Leute. Die Institution ist von der Dorfbevölkerung überwiegend anerkannt, es besteht ein freundschaftliches Verhältnis mit den meisten Dorfbewohnern.
Einbindung in größere Entwicklungszusammenhänge Insgesamt wird momentan in Honduras versucht das Bildungsniveau anzuheben. In den letzten Jahren ist das Land vor allem im Schul- und Ausbildungsbereich hinter den anderen mittelamerikanischen Ländern wie z.B. El Salvador zurückgeblieben. Betrachtet man die Gesamtzahl der Jugendlichen in Honduras (ca. 60 % der Honduraner sind unter 25!), so wird jedem klar, dass die Chance auf eine Berufsausbildung im Moment sicherlich noch ein Privileg und bei weitem nicht selbstverständlich ist. Jede einzelne zusätzliche Schule bzw. jedes neue Berufsausbildungszentrum verbessert die Bildungssituation etwas und trägt somit langfristig zur Bekämpfung der Armut bei.
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